Kolossia
Worum geht es?
Stell dir vor, du wachst an einem Ort auf, den du noch nie in deinem Leben gesehen hast. Alles ist fremd, unwirklich, bedrohlich. Und als du darüber nachdenkst, wird dir gewiss, dass du dich an nichts erinnern kannst. Dein Rücken fühlt sich an, als wäre er auseinandergerissen und falsch wieder zusammengesetzt worden.
So geht es meinem Protagonist Bakka in der Geschichte Kolossia. Er zieht los, um sich zu finden.
Stattdessen findet er einen Koloss.
Ihr denkt, Kolosse seien einfach nur ziemlich große Menschen oder fremdartige Wesen. So hoch wie ein Haus, ein Drache zum Beispiel.
Kinderkram.
Bakka trifft auf einen Koloss, der so hoch ist wie 113 aufeinandergestapelte Männer oder ein 54-stöckiges Gebäude. Rund zweihundert Meter. Beispiel? Hier:

Ungefähr die Höhe dieses Windrads entspricht der Größe dieses Kolosses.
Nur noch breiter, muskulöser. Gefährlicher.
Bakka ist gezwungen, mit diesem Monstrum seinen Weg fortzusetzen.
Das zieht Probleme nach sich. Kolossale Probleme.
Als Bakka endlich herausfindet, wer er eigentlich ist und was es mit dem Koloss auf sich hat, muss er sich einer viel größeren Aufgabe stellen, bei der der Untergang der Welt eine freundliche Alternative darstellen würde ...
Wie es dazu kam
Kolossia ist mein überdimensionierter Klotz am Bein.
Das sage ich ganz unverfroren, denn was ich mir damals im Jahre 2005 aufgelastet hatte, war dumm. Noch nie hatte ich etwas davon gelesen oder gehört, dass es so etwas wie ein "Handwerk" fürs Schreiben gibt. Regeln, Grundsätze, Spannungsbogen, Planung? Blödsinn.
Ohne dieses ganze Vorwissen begann ich also, gleich mal mindestens eine Trilogie zu schreiben.
Gehört zwar schon eher zur Königsdisziplin, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Wie zu erwarten fuhr ich den Karren in den Sand. Ich schrieb den ersten Teil des Buches und dachte, dieses erste "Buch" gleich an den Mann bringen zu können.
Etliche Absagen später begann ich an meinem gottgegebenen Talent zu zweifeln und durchforstete das Internet nach Antworten auf meine unzähligen Fragen.
Ich landete auf der Seite des Schriftstellers Andreas Eschbach ("Das Jesus Video", "Ausgebrannt"). Dieser hatte auf seiner Seite eine ganze Litanei an Fragen und Antworten über das Schreiben zusammengestellt. Ich las und erkannte, dass zum Schreiben mehr gehört, als nur eine Idee zu haben. Auf Eschbachs Seite fand ich auch den Link zum TextArt-Magazin, womit sich mir das Tor zum kreativen Schreiben ganz öffnete. Endlich hatte ich die Nische gefunden, in der sich alle meine Fragen und die zugehörigen Antworten vereinigten. Ich fand das zugehörige Forum (das übrigens besser ist als das bekannte riesige Deutsche Schriftsteller Forum), lernte Bücher über das Schreiben kennen, tauschte mich mit publizierten Schriftstellern aus und lernte einige persönlich kennen.
Zurück zu Kolossia: Ich erkannte, dass ich alles falsch gemacht hatte, was man falsch machen kann. Zu Ende des ersten Buchs wusste ich immer noch nicht, wie die Geschichte eigentlich ausgehen sollte. Meine Hauptfiguren hatten wie Nebenfiguren einige wenige Charakteristika, waren ansonsten aber so hohl wie mein Zierkürbis, der sich heute selbst mumifiziert hat. Pappkameraden. Die Geschichte bestand nur aus der Idee, wurde in keinster Weise von den Figuren entwickelt oder gar getragen. Es gab keinen Spannungsbogen, keine Prämisse, keine Konflikte. Ja, es gab zu Ende des ersten Buches nicht einmal einen echten Bösewicht. Von den sprachlichen Mängeln ganz zu schweigen. Adjektive, Adverbien, Blähwörter und alle Anfängerfehler versammelten sich in meiner Geschichte.
Die Idee keimte recht schnell, Kolossia neu zu schreiben. Ich las sehr viel, probierte einiges aus und entwickelte schließlich einen vernünftigen Plot mit hoffentlich starken Figuren nach einer abgewandelten Form der Schneeflockenmethode nach Randy Ingermanson.
Am 14. Januar 2010 begann ich, das Buch nochmal zu schreiben. Anfangs noch zähneknirschend habe ich mich inzwischen bis ins letzte Drittel vorgewagt und werde rein rechnerisch Ende 2011 fertig sein.