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 Der Hexenkessel; Die Kündigung;

 

 

Zimtsterne

(Januar 2009)

Meine erste Kurzgeschichte. Ich-Perspektive eines zu Tode verurteilten, der den Prozess der Hinrichtung durch die Giftspritze erlebt.

Der Hexenkessel

(Februar 2009)

In einem scheinbar aussichtslosen Kampf muss sich der namenlose Protagonist zu seinem Opfer begeben.

Veröffentlicht

Wasserhasser

(Juni 2009)

Plötzlich hasst André Wasser. Er versucht, hinter den Grund seiner extremen Abneigung zu kommen.

Nähre meine Liebe

(Juni 2009)

Sehr skurrile Beziehung zwischen zwei sehr ungleichen "Personen".

Herzensangelegenheit

(Juli 2009)

Eine für mich ganz untypische Zombie-Splatter-Geschichte. Karl geht mit seinem über alles geliebten Zombie George spazieren und stößt wiedermal auf die ablehnende Haltung der Menschen. 

Der Zwischenstopp (Gedicht)

(Mai 2009)

Lyrischer Exkurs in die Kurzweiligkeit unseres Lebens.

Veröffentlicht

15 Minuten

(Mai 2009)

Inwiefern bloß 15 Minuten unser ganzes Leben verändern können, zeigt sich in dieser Betrachtungsweise durch vier verschiedene Protagonisten.

Matti, der Zauberer

(August 2009)

Matti, der größte Zauberer aller Zeiten, kann plötzlich nicht mehr zaubern und stellt sein Handeln in Frage.

Geschrieben für eine Lesung, die nicht stattfand.

 Chef 2.0

(September 2009)

Eines Tages kommt endlich Werners lang ersehnter, im Internet geordeter Chef "Herr Klaasen" per Post, und sorgt dafür, dass das Leben des Ehepaars Wenzel ordentlich auf den Kopf gestellt wird. Hat Werner das erreicht, was er wollte?
 

 Die Kündigung

(Dezember 2009)

Sehr kurze ironische Weihnachtsgeschichte über die Beziehung zwischen Nikolaus, Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht.

Veröffentlicht

Der die Träume bringt

(Juli 2010)

Der Sandmann arbeitet seit Anbeginn der Zeit. Nun wird es Zeit für einen Stellvertreter. Was ist aber, wenn der mit den Arbeitsmethoden des Sandmanns nicht zufrieden ist?

 

 

 Leseproben

 

Hier habt ihr die Möglichkeit, einige meiner Mega-Kurzgeschichten zu lesen, die bereits im Rhein-Sieg-Magazin veröffentlicht wurden.

Wer Interesse an längeren Texten von mir hat, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen.

 

 

 

Der Hexenkessel

von Kai Seuthe

 

Ich war böse.

Nun stehe ich mit dem Rücken zur Wand und taxiere die Umgebung. Vor mir ein Hexenkessel der Gewalt.

Meine Freunde haben mich längst verlassen, stürzten sich ins Getümmel, das niemanden zum Sieger werden lassen kann.

Meine Blicke suchen einen Rettungsanker, einen Ort, an dem ich, wenigstens einen Moment lang, sicher verweilen kann.

Ich atme schwer, mein Herz rast. Immer wieder blähen sich meine Lungen auf, um den letzten verbliebenen Sauerstoff aus der stickigen Luft zu filtern. Beißender Geruch von verbranntem Phosphor dringt in meine Atemwege.

Dann laufe ich los.

Zunächst geschickt weiche ich den sich rivalisierenden Gegnern aus, schlage Haken, springe, taumele, stolpere und falle dann doch in endlosen Sekunden zu Boden.

Mir droht Gefahr, zu Tode getrampelt zu werden.

Mit letzter Kraft robbe ich zu einem nahe gelegenen Unterschlupf, beinahe blickdicht gesäumt von den Stelzen der Giganten. Dort verharre ich eine Weile.

Ich schmecke Blut, das kommt von dem Sturz. Blut, wonach ich mich doch eigentlich so sehne.

Plötzlich erinnere ich mich des Sinns meines Daseins. Der Grund, weshalb es mich an diesen Ort verschlagen hat. Kam ich nicht in freudiger Erwartung, süßes Blut zu ernten? Warum lies ich mich derart einschüchtern?

Noch einen Augenblick zögere ich, meine Lust zu befriedigen. Töricht wäre es, mich an die Kämpfenden heranzuwagen, die mir mit ihren Waffen haushoch überlegen wären. Nein, ich brauche jemand unbeteiligten.

Die Luft ist erfüllt von dem Lärm aufeinandertreffender Waffen, ständig donnern Schüsse. Und durchgehend Geschrei, Geschrei, Geschrei.

Beinahe ironisch wirkt es, wenn die bereitstehende Kapelle beginnt zu spielen. Als versuchten die Musiker dem Chaos mit eingängigen Melodien Herr zu werden.

Doch vergebens.

Es fällt Rothaut um Rothaut, tapfere Männer werden hinterrücks erschossen. Tomahawks fliegen, Schwerter prallen auf hilflose Körper. Pistolen, Messer, Gewehre, Säbel, niemand bleibt davon verschont. Wahrhaft, ein Bild des Schreckens.

All dies vor den Augen der Giganten, die anscheinend geistesabwesend das Schauspiel beobachten.

Doch es ist kein Schauspiel, es ist das wahre Leben. Und ich stecke mittendrin.

Dann erblicke ich endlich, fernab kauernd, eine Unbeteiligte. Sie scheint mit der Situation überfordert zu sein.

Übel zu nehmen ist es ihr nicht. Trotzdem, nein, gerade deswegen, erwähle ich sie, meinen Hunger zu stillen.

Ich krieche unter meinem Versteck hervor und renne erneut los. Wieder weiche ich Tritten, Hieben und Remplern aus und erreiche schließlich die junge Frau.

Sie hockt auf dem Boden, hat ihre Arme um die Beine geschlungen. Ich verstehe, sie hat Angst.

Ihr einst leuchtendes Kleid hat sich in einen grauen Fetzen verwandelt, der nun schlaff und fernab jeder Pracht an dem zerbrechlichen Körper herunter hängt.

Bemerkt hat sie mich noch nicht.

Ich halte mich leicht versteckt, verdeckt durch den Körper eines Narren, der an einem solchen Ort der Gewalt eine Farce zu sein scheint.

Ich ergreife meinen Umhang und hülle mich damit ein, so dass nur noch meine Augen zu erkennen sind. Das blasse Gesicht darunter soll vorerst verdeckt bleiben.

Geschwind trete ich aus dem Sichtschutz und baue mich vor ihr wie der Leibhaftige auf.

Sie würdigt mich keines Blickes.

Ich beuge mich zu ihr hinunter und ramme meine Zähne in den zarten Hals.

Dann geht alles ganz schnell.

Sie schreit, ohrfeigt mich, weint. Blut schmecke ich keines, dafür rutscht mein Gebiss aus dem Mund und fällt lautlos zu Boden.

Konsterniert stehe ich nun da und blicke ihr nach, als sie davon eilt. Sie gesellt sich zu einigen Giganten, die mich sogleich mit zornigem Blick mustern.

Plötzlich spüre ich kaltes Eisen, das sich in meine Schläfe drückt.

Ein Schuss. Ich habe verloren.

Es klingelt noch eine Weile in meinen Ohren. Ich mustere den dampfenden Colt und blicke in das grinsende Gesicht meines Freundes.

 

Bis zum Abend ist mein Köstum zu einem dreckigen Lumpen verkommen, den ich schließlich achtlos in die Ecke werfe.

Ich lasse mich gerade erschöpft auf mein Bett fallen, als meine Mutter hereinkommt, und mich fragt, ob mir die Karnevalsfeier gefallen habe.

Geschrei, Geschrei, Geschrei. Ich glaube, ich bin traumatisiert. Die Müdigkeit überwältigt mich und ich höre mich noch sagen: „Ich habe meine Lektion gelernt“, dann schlafe ich ein.

 

 

 

Die Kündigung

 

von Kai Seuthe

 

Eisiger Wind blies an diesem Abend durch die knorrigen Baumwipfel eines weit entfernten Waldes. Ein hochgewachsener Mann in feinem Gewand schritt durch das Unterholz und stützte sich dabei auf den schimmernden Krummstab. Fernab der Zivilisation war es still. Nur das Knacken der Äste hallte zwischen den schlafenden Bäumen wider. Es roch nach Winter; der erste Schnee kündigte sich an.

Der heilige Nikolaus hatte beschlossen, noch vor dem Besuch der Kinder, sich von seinem ungeliebten Begleiter zu trennen. Jahrelang hatte ihn diese Entscheidung gequält, die Nächte lang und ruhelos werden lassen. Er hatte sich mit sämtlichen Vertretern der weihnachtlichen Zunft beraten, selbst den Weihnachtsmann eingeschlossen. Das Christkind riet ihm zu Nachsicht, betonte den Glauben an das Gute im Menschen und verwies mit einem Augenzwinkern auf die zwingende Koexistenz von Gut und Böse.

Nikolaus hatte genug davon. Insbesondere das gönnerhafte Getue seines weitaus populäreren Partners, dem Weihnachtsmann, nagte an seinem Selbstwertgefühl. Nicht nur, dass der Weihnachtsmann keinen sadistischen Begleiter dabei hatte; ständig verwechselten die Menschen ihn, den Nikolaus, und den Weihnachtsmann. Und das trotz der Wampe.

Nikolaus hatte sich seinen Weg gebahnt und stand vor der gut versteckten Holzhütte am Ende der Welt. Er klopfte. Um die Stimmung ob der unangenehmen Ankündigung etwas aufzulockern, bediente er sich des bekanntesten Ausspruches seines Begleiters.

„Von drauß' vom Walde komm ich her, ich muss dir sagen...“

„Willst du mich auf den Arm nehmen?!“, donnerte ihm eine Stimme aus dem inneren der Hütte entgegen.

Die Tür öffnete sich schwungvoll und die Silhouette eines dunkel gekleideten Mannes versperrte dem Nikolaus den Blick auf das Innere des Hauses.

„Knecht, alter Freund“, heuchelte er. Der Auftritt war ihm nicht gelungen.

„Ich weiß, dass du mich kündigen willst. Deine Prahlerei über diesen ach so wichtigen Schritt ist auch an meine Ohren gedrungen. Glaubst du, dass nach all den Jahren, die ich mit dir schon um die Häuser gezogen bin, meine Wahrnehmung derart getrübt ist, dass ich von deinen Vorhaben keinen Wind bekommen habe?“ Knecht Ruprecht fluchte noch etwas, das Nikolaus an diesem Abend partout nicht persönlich nehmen wollte, dann bat der wütende Begleiter ihn hinein.

Einen Moment verharrte Nikolaus in der Mitte des Raumes. Der Knecht hatte sich darauf vorbereiten können. Verdammt. Dieser gab Nikolaus einen Stoß in den Rücken , der bedeutete, sich zu setzen.

„Nicht, dass du das falsch verstehst“, entschuldigte sich Nikolaus, „aber ich möchte nicht länger von einem Kinderschreck und Buhmann begleitet werden, der meinen Besuchen am 6. Dezember diesen faden Beigeschmack gibt. Das muss ein positives Erlebnis für die Kinder sein. Verstehst du?“

Knecht Ruprecht hielt ihm eine Schüssel mit Gebäck vor die Nase. „Plätzchen?“, fragte er kauend, während er scheinbar desinteressiert durch die Gegend schaute.

„Ausgerechnet damit willst du mir kommen?“, sagte Nikolaus nun etwas erboster. „Es ist wie es ist. Ich habe entschieden, dass sich unsere Wege trennen.“

Knecht Ruprecht stellte die Plätzchen auf einen wurmstichigen Schemel, entledigte sich seiner Kutte und offenbarte ein T-Shirt, das zwar ebenso dunkel war, auf dem aber ein gelber Smiley freundlich grinste.

„Du kannst nichts entscheiden“, fing Knecht Ruprecht an. „Ich habe mit IHM darüber gesprochen und er hat gesagt, dass ich nur etwas an meiner Einstellung ändern muss. Ich soll mit der Zeit gehen, also tue ich das auch. Ich habe gelernt, meine Aggressionen zu kontrollieren. Ich werde von nun an reden statt austeilen. Ich werde Freude und Glückseligkeit verbreiten, deine Gutherzigkeit mit sanften Versen unterstreichen. Der Sack, der einst für die unartigen Kinder gedacht war, ist nun gefüllt mit allen Geschenken, die die Kinderherzen begehren. Natürlich alles in deinem Namen.“

Knecht Ruprecht deutete Nikolaus aufzustehen. „Und nun bitte ich dich, zu gehen. Wir sehen uns morgen, wir haben viel Arbeit vor uns und ich muss noch mein inneres Gleichgewicht finden. Alles ist gut. Ach, und bevor ich es vergesse,“ fügte er hinzu, während er die Türe bereits geöffnet hatte, „meine Rute kannst du gleich mitnehmen. Ich brauche sie nicht mehr.“ Knecht Ruprecht nahm einen abgewetzten Stock neben dem Türrahmen und gab ihn dem verdatterten Nikolaus in die Hand. Dann schob er ihn hinaus und rief ihm hinterher: „Die kannst du dir über deinen Kamin hängen. Oder besser noch, an deinen Schlitten. Ach nein, das war ja wer anderes.“

 

Knecht Ruprecht schlug die Tür zu und hörte das sich entfernende Knacken im Wald. Als er sicher war, dass Nikolaus fort war, riss er sich das T-Shirt vom Leib und warf es in das knisternde Kaminfeuer. Er schlüpfte in seine Kutte, holte die echte Rute unter dem Sessel hervor und setzte sich.

„Für den Tipp hast du einen bei mir gut, Weihnachtsmann.“, lächelte er zufrieden, nahm ein Plätzchen und aß es mit einem Genuss, wie seit jahrhunderten nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(c) by Kai Seuthe, alle Rechte liegen beim Autor. Verwendung nur unter ausdrücklicher Genehmigung des Autors.